Small Cap-Screening: Vier Aktien blieben stehen

Größe ist nicht alles. In unserem neuesten Aktien-Screening führte sie ab einem gewissen Punkt sogar zum Ausschluss. Ziel war es diesmal, besonders attraktive Small Caps zu finden. Dabei haben wir uns grundsätzlich an den Bewertungsvorgaben früherer Screenings orientiert, schließlich hatten sie zu überzeugenden Ergebnissen geführt. Lediglich bei der Marktkapitalisierung hat boersengefluester.de andere Maßstäbe angelegt. Während die erste Hürde bislang stets in Form eines Mindestbörsenwerts des Streubesitzes von 10 Mio. Euro daherkam, haben wir nun ab einer gesamten Kapitalisierung von 250 Mio. Euro die Klinge angesetzt. Von den derzeit 616 Aktien, die unser Analyseuniversum DataSelect umfasst, blieben danach 397 Titel übrig. Zu klein wollten wir bei der Auswahl dann aber doch nicht werden. Daher haben wir als zweites Kriterium einen Börsenwert des Streubesitzes von mindestens 15 Mio. Euro gewählt. Hiernach hatte sich die Grundgesamtheit bereits auf 176 Papiere reduziert.

In den folgenden Schritten haben wir auf unsere bewährten Schikanen gesetzt. Zunächst sollte das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) nicht größer als 15 sein. Insgesamt 79 Titel erfüllten auch diese Forderung. Es folgte eine Mindestanforderung an die Eigenkapitalquote von 25 Prozent, wodurch sich das Teilnehmerfeld auf 68 verkleinerte. Die operative Marge – verstanden als das Verhältnis von Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) zum Umsatz – wiederum wollten wir nördlich von zehn Prozent sehen. Eine hohe Hürde, denn für nur 29 Unternehmen war auch das kein Problem. Immerhin 14 Titel scheiterten dann jedoch an der gewünschten Eigenkapitalrendite (Jahresüberschuss in Relation zum Eigenkapital) von mindestens 15 Prozent. Nachdem wir anschließend für das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) bei 3,0 die Obergrenze gezogen haben, verkleinerte sich die Grundgesamtheit auf nur noch elf Werte.

Anschließend setzten wir die Performance-Fessel an, Titel mit negativer Wertentwicklung auf Sechs-, Drei-, und Ein-Monats-Sicht wurden kategorisch aussortiert. Letztlich blieb eine Gruppe von nur noch vier Aktien übrig – mit einem Börsenwert von gut 60 bis 230 Mio. Euro. Die Branchenverteilung hätte abwechslungsreicher kaum sein können: Ein Fußball-Club aus Dortmund, ein Hersteller von Spezialschläuchen aus Gelsenkirchen, ein Pharmatitel aus der Nähe von Berlin und ein Bauzulieferer aus Düsseldorf.


 

Seit rund drei Monaten präsentiert sich der Aktienkurs von Borussia Dortmund nur noch mit einem ganz leichten Vorwärtsdrang – beinahe passend zur Ausbeute auf dem Platz. Immerhin trennen den BVB in der Liga bereits vier Punkte zu den Bayern. Und auch in der Champions-League mussten die Schwarz-Gelben zuletzt gegen den FC Arsenal einen Rückschlag hinnehmen. Doch die Dortmunder können wieder aufholen. Immerhin schlägt am Samstag (23. November) der Meister aus München im Signal Iduna Park auf. Am 25. November folgt dann gleich das nächste Highlight – die Hauptversammlung in der Dortmunder Westfalenhalle. Am Tag darauf wird die Dividende von 0,10 Euro für das Geschäftsjahr 2012/13 vom Kurs angezogen. Rechnerisch entspricht das einem Abschlag von 2,6 Prozent. Die jüngsten Zahlen für das erste Viertel der laufenden Wirtschaftsperiode entsprachen den Erwartungen. Der Quartalsgewinn von 1,4 Mio. Euro lag allerdings um 46 Prozent unterhalb des Vorjahreswerts. Die Analysten nennen derzeit Kursziele zwischen 4,50 und 5,00 Euro für die BVB-Aktie. Für boersengefluester.de bleibt der Titel ebenfalls kaufenswert. Es gibt vermutlich nicht viele börsennotierte Fußballvereine, die unser Screening durchgestanden hätten. Das zeigt: Die BVB-Aktie mausert sich vom Fanpapier zur echten Geldanlage.

 

Borussia Dortmund  Kurs: 6,060 €

 

INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
Borussia Dortmund
WKN Kurs in € Einschätzung Börsenwert in Mio. €
549309 6,060 Kaufen 557,52
KGV 2019e KGV 10Y-Ø BGFL-Ratio Shiller-KGV
15,95 15,70 1,006 46,88
KBV KCV KUV EV/EBITDA
1,63 116,27 1,37 7,205
Dividende '17 in € Dividende '18e in € Div.-Rendite '17
in %
Hauptversammlung
0,08 0,08 1,32 26.11.2018
Q1-Zahlen Q2-Zahlen Q3-Zahlen Bilanz-PK
14.11.2018 28.02.2018 15.05.2018 28.09.2018
Abstand 60Tage-Linie Abstand 200Tage-Linie Performance YtD Performance 52 Wochen
1,69% 3,25% -1,08% -17,55%
       

 


 

Bei Haemato handelt es sich um die frühere Immobiliengesellschaft Windsor, die nach der Übernahme der Pharmaaktivitäten von MPH Mittelständische Pharmaholding einen komplett neuen Kurs fährt. Das neue Geschäft lässt sich bislang gut an. Auch die Börsianer spenden viel Beifall. Die Analysten von GBC sehen den Anteilschein des Generikaanbieters erst bei Kursen um 5,60 Euro als fair bewertet an. Das entspricht einem Potenzial von 24 Prozent. Nach neun Monaten 2013 kam die Gesellschaft bei Erlösen von 118 Mio. Euro auf einen Gewinn von 6,1 Mio. Euro. „Die Weiterentwicklung des Pharmageschäfts läuft erfolgreich. Auf Basis der Visibilität des Gewinns können wir die etablierte Dividendenpolitik für 2013 erneut bestätigen“, sagt Haemato-Vorstand Christian Pahl. Boersengefluester.de geht davon aus, dass die Gewinnbeteiligung bei mindestens 0,25 Euro pro Anteilschein liegt. Damit käme der Titel auf eine Rendite von 5,6 Prozent. Seit Jahresbeginn hat sich das Papier allerdings bereits um fast 180 Prozent verteuert. Das macht die Aktie anfällig für Gewinnmitnahmen.

 

Haemato  Kurs: 5,420 €

 

INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
Haemato
WKN Kurs in € Einschätzung Börsenwert in Mio. €
619070 5,420 Kaufen 119,13
KGV 2019e KGV 10Y-Ø BGFL-Ratio Shiller-KGV
13,22 11,57 1,130 17,86
KBV KCV KUV EV/EBITDA
1,84 - 0,41 11,650
Dividende '17 in € Dividende '18e in € Div.-Rendite '17
in %
Hauptversammlung
0,30 0,30 5,54 04.07.2018
Q1-Zahlen Q2-Zahlen Q3-Zahlen Bilanz-PK
18.05.2018 24.08.2018 20.11.2018 04.05.2018
Abstand 60Tage-Linie Abstand 200Tage-Linie Performance YtD Performance 52 Wochen
-2,55% -3,64% 6,80% -4,69%
       

 


 

Bereits seit Anfang 2009 befindet sich der Aktienkurs von InnoTec TSS in einem blitzsauberen Aufwärtstrend, wie ihn wohl nur wenige Small Caps vorweisen können. Nach neun Monaten 2013 liegt der Bauzulieferer beim operativen Ergebnis noch um 5,5 Prozent hinter dem entsprechenden Vorjahreswert zurück. Unterm Strich sind die Zahlen aber sehr positiv zu werten. Mittlerweile rechnet der Vorstand sogar damit, die Vorjahreswerte „annähernd zu erreichen“. Das klingt eine Tick optimistischer als noch zum Halbjahr. Mit Informationen überschüttet werden die Privatanleger bei Innotec TSS allerdings nicht gerade. Die Berichterstattung erstreckt sich auf die notwendigsten Informationen. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, bekommt allerdings einen Nebenwert, mit rundherum ansehnlichen Kennzahlen: Das KGV beträgt knapp elf, die Dividendenrendite erreicht etwa 2,7 Prozent. Der Börsenwert von 88 Mio. Euro übersteigt das Eigenkapital um den Faktor 2,3.

 

InnoTec TSS  Kurs: 15,400 €

 

INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
InnoTec TSS
WKN Kurs in € Einschätzung Börsenwert in Mio. €
540510 15,400 Halten 147,38
KGV 2019e KGV 10Y-Ø BGFL-Ratio Shiller-KGV
11,41 9,57 1,193 13,76
KBV KCV KUV EV/EBITDA
2,03 13,18 1,50 7,476
Dividende '17 in € Dividende '18e in € Div.-Rendite '17
in %
Hauptversammlung
0,85 0,55 5,52 22.06.2018
Q1-Zahlen Q2-Zahlen Q3-Zahlen Bilanz-PK
07.09.2017 30.04.2018
Abstand 60Tage-Linie Abstand 200Tage-Linie Performance YtD Performance 52 Wochen
-2,90% -5,68% -6,63% -8,56%
       

 


 

Super angesprungen ist in den vergangenen Wochen der Aktienkurs von Masterflex; in Titel, auf den boersengefluester.de ebenfalls schon häufig aufmerksam gemacht hat. „Der Laden brummt“, fasst Vorstandschef Andreas Bastin die momentane Lage des Herstellers von Spezialschläuchen zusammen. Die Internationalisierung der Gelsenkirchener nimmt die gewünschten Formen an und lässt den schwachen Jahresstart vergessen. Masterflex hat viel Geld in die Hand genommen, um in Amerika und Asien stärker präsent zu sein. Das hat auf die Margen gedrückt. „Die Talsohle beim EBIT dürfte jetzt in etwa erreicht sein“, sagt Bastin. Damit steht das Unternehmen vor einer Rückkehr zu gewohnten operativen Renditen zwischen 13 und 14 Prozent. Mit Blick auf den Sechs-Monats-Chart sieht der Kurs von Masterflex bereits recht heißgelaufen aus. Auf längere Sicht relativiert sich dieser Eindruck jedoch. Masterflex hat eine harte Sanierung hinter sich und erntet nun allmählich die Früchte. Mitte 2007 kostete der Anteilschein noch deutlich mehr als 20 Euro. 2008 und 2009 türmten sich Verluste von addiert fast 30 Mio. Euro auf und das Unternehmen stand dicht vor dem Abgrund. Vor diesem Hintergrund ist die jetzige Verfassung umso bemerkenswerter.

 

Masterflex  Kurs: 8,860 €

 

INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
Masterflex
WKN Kurs in € Einschätzung Börsenwert in Mio. €
549293 8,860 Halten 86,41
KGV 2019e KGV 10Y-Ø BGFL-Ratio Shiller-KGV
14,77 18,50 0,800 53,33
KBV KCV KUV EV/EBITDA
2,26 10,35 1,16 10,766
Dividende '17 in € Dividende '18e in € Div.-Rendite '17
in %
Hauptversammlung
0,07 0,07 0,79 26.06.2018
Q1-Zahlen Q2-Zahlen Q3-Zahlen Bilanz-PK
11.05.2018 10.08.2018 09.11.2018 29.03.2018
Abstand 60Tage-Linie Abstand 200Tage-Linie Performance YtD Performance 52 Wochen
1,18% 0,60% 1,25% 11,98%
       

 


 

 

Ihnen gefallen derartige Aktien-Screenings? Mit unserem Produkt DataSelect auf Excel-Basis haben Sie alle Kennzahlen für die eigene Aktien-Analyse. Klicken Sie hier.


Über Gereon Kruse

Gereon Kruse
Gereon Kruse gründete im Mai 2013 die auf Datenjournalismus fokussierte Seite boersengefluester.de. Zuvor war er 19 Jahre bei dem Anlegermagazin BÖRSE ONLINE tätig – von 2000 bis Anfang 2013 in der Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs. Sein Spezialgebiet sind deutsche Aktien – insbesondere Nebenwerte. 2016 gewann Gereon Kruse mit boersengefluester.de beim viel beachteten finanzblog award der comdirect bank den Publikumspreis und belegte gleichzeitig noch den 3. Platz in der Jurywertung.

Leave a Reply